Verhandlungen über den EU-Haushalt 2028–2034: Die Verhandlungsvorlage des Europäischen Rates für den mehrjährigen Finanzrahmen (MFR)
30.06.2026 09:00
Die Verhandlungsvorlage (nego-box) ist ein vom Ratsvorsitz erstelltes Dokument, das als Leitfaden für die Verhandlungen über den langfristigen Haushalt der EU dient. Sie fasst jene Elemente zusammen, die am ehesten politische Leitlinien und die Festlegung von Prioritäten durch die Staats- und Regierungschefs der EU erfordern.
Im Dezember 2025 nahmen die Staats- und Regierungschefs der EU die erste, vom dänischen Ratsvorsitz ausgearbeiteten nego-box zur Kenntnis und forderten die künftigen Ratsvorsitze auf, die Arbeit fortzusetzen, um noch vor Ende 2026 eine Einigung zu erzielen.
Am 11. Juni 2026 legte die zyprische Ratspräsidentschaft eine überarbeitete nego-box mit Zahlen vor, die darauf abzielt, Elemente für politische Überlegungen zu identifizieren und die Diskussionen unter den EU-Staats- und Regierungschefs im Vorfeld der Tagung des Europäischen Rates im Juni 2026 zu erleichtern. Zypern hat einen Vorschlag für den kommenden langfristigen Haushaltsplan der Europäischen Union vorgelegt. Das Dokument legt dar, wie der nächste Siebenjahreshaushalt der EU strukturiert werden könnte.
Wie in der offiziellen Mitteilung des Rates der EU ausdrücklich erwähnt, ist die nego-box für keine Delegation bindend, und der Vorsitz lässt sich weiterhin von dem Grundsatz leiten, dass nichts vereinbart ist, solange nicht alles vereinbart ist.
Der Ratsvorsitz schlägt in seinem Kompromissvorschlag, der die Struktur des Vorschlags der Europäischen Kommission mit vier Ausgabenbereichen in den Grundzügen unverändert belässt, ein Gesamtbudget des MFR in Höhe von 1.730 Mrd. Euro für den Siebenjahreszeitraum vor. Dies entspricht einer Kürzung um rund 2 % gegenüber dem ursprünglichen Vorschlag der Kommission in Höhe von 1.763 Mrd. Euro, der im Juli 2025 veröffentlicht wurde. Die vorgeschlagene Kürzung betrifft vor allem den Wettbewerbsfonds (Rubrik 2) und „Global Europe“ (Rubrik 3).
Dennoch ist der vorgeschlagene Haushalt für eine Gruppe von Mitgliedstaaten unter der Führung Deutschlands, der Niederlande und Österreichs nach wie vor zu hoch. Diese fordern geringere Ausgaben für traditionelle EU-Politikbereiche wie Landwirtschaft und Kohäsion sowie höhere Ausgaben für Innovation und Wettbewerbsfähigkeit. Auf der anderen Seite verteidigen 15 andere Mitgliedstaaten, die sich zu den „Friends of Cohesion“ zusammengeschlossen haben, das etablierte und bewährte Finanzierungssystem und lehnen weitere Kürzungen im MFR-Vorschlag ab.
Der vorgeschlagene Haushalt gliedert sich in vier Rubriken, die die derzeitigen sieben Rubriken ersetzen:
- Rubrik 1 – Kohäsion, Landwirtschaft, ländlicher Raum und Meer, Wohlstand und Sicherheit (942 Mrd. Euro) ist mit Abstand die größte Rubrik und macht mehr als die Hälfte des Haushalts aus. Sie umfasst die Regional- und Kohäsionsfonds, die Gemeinsame Agrarpolitik, Fischerei, Migration und Grenzmanagement sowie die Rückzahlung der NextGenerationEU-Anleihen.
- Rubrik 2 – Wettbewerbsfähigkeit, Wohlstand und Sicherheit (502 Mrd. €) umfasst den neuen Europäischen Fonds für Wettbewerbsfähigkeit (199 Mrd. €), „Horizont Europa“ (149 Mrd. €), die Fazilität „Connecting Europe“ (69 Mrd. €), „Erasmus+“ (35 Mrd. €) sowie verteidigungsbezogene Ausgaben.
- Rubrik 3 – Globales Europa (183 Mrd. €) finanziert Außenmaßnahmen, Erweiterung, Entwicklungszusammenarbeit, humanitäre Hilfe und Unterstützung für die Ukraine.
- Rubrik 4 – Verwaltung (104 Mrd. €)
Unabhängig von der endgültigen Höhe und Struktur des Haushalts wird der nächste MFR bei weitem nicht ausreichen, um den enormen Finanzierungsbedarf für den ökologischen Wandel, die digitale Transformation, Innovation, wirtschaftliche Sicherheit und die Stärkung der Verteidigungsfähigkeiten zu decken. Daher sollte die zentrale Frage nach dem Mehrwert des MFR lauten: Wie kann er dazu beitragen, positive transformative Ergebnisse in der EU zu erzielen, die die Mitgliedstaaten allein nicht erreichen würden?

